RUDOLF PIEHLMAYER

Schöne Töne aus dem Horn

Konzert Feb 2019, Nürnberger Sinfoniker


Ein Programm, wie man es sich öfter wünscht – abseits ausgetretener Pfade. Vieles hatte mit der Schweiz zu tun, auch mit der Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs, der Dirigent war gebürtiger Straubinger und kam aus Frankreich. Alles zusammen ergab einen unstrittigen Erfolg für die Nürnberger Symphoniker. Heftig umlagert war schon lange vor acht im Foyer der Meistersingerhalle ein Instrument, das zwar wie ein Alphorn klingt, aber nicht so aussieht: das "Vogelhorn" heißt nach dem Instrumentenbauer Robert Vogel, und der hat seine Werkstatt in Happurg. Er wollte Lust machen auf das folgende Alphornkonzert, aber dabei auch seine Reise- und Konzert-Alphornvariante vorstellen, für die er nicht nur Kunden im Gebirge findet und die man eine Stunde später bei der Zugabe erleben konnte. Vogel führte vor, dass man darauf ohne großen Aufwand schöne Töne produzieren kann. Das tat dann auch Arkady Shilkloper – aber auf dem richtigen Vier-Meter-Alphorn. Dafür musste das Podium gründlich umgeräumt werden: die Meistersingerhalle als Matterhorn. Shilkloper kommt eigentlich aus Moskau, ist von Jazz bis Klassik ein ziemlicher Allrounder und spielte schon die Uraufführung dieses Konzerts von Daniel Schnyder. Das ist mittlerweile 15 Jahre alt, klingt nach Rütli und Heidi, aber nicht immer: Mit den Symphonikern unter Rudolf Piehlmayer legt es bald jazzig los, zwischendurch läuten die Kuhglocken wie bei Gustav Mahler und gibt es kecke Duette zwischen Schlagzeug und Alphorn. Sehr unterhaltsam das Ganze, frech kombiniert zwischen feierlichem Choral und Karibik-Rhythmen. Davon war das Publikum begeistert, auch über die Kostprobe auf dem mittelfränkischen Vogelhorn: das braucht viel weniger Platz, und Shilkloper war der richtige Spaßvogel dafür. Joachim Raff danach, den heute kaum noch jemand kennt, schon gar nicht alle seine elf Symphonien, obwohl der Deutsch-Schweizer die Konzertsäle des Kaiserreichs sehr erfolgreich beglückte. Seine Musik ist gründerzeittypisch, virtuos im Einsatz spätromantischer Farben, immer mit Programmmusik-Bezug. Auch in der Achten, die Piehlmayer sorgfältigst gestaltete, als wär’s ein Gang durch die Prachtstraßen der Gründerzeit: ein bisschen Schumann, ein bisschen Liszt, handwerklich perfekt und in der Instrumentierung effektvoll bis ins Finale — aber wenig einprägsam im Ganzen: Jedenfalls füllten die Symphoniker eine Bildungslücke.


Nürnberger Zeitung, Uwe Mitsching